Warum dem Lokaljournalismus die Zukunft gehört…

… ja Sie haben richtig gelesen.

Seit fast einem Jahrzehnt wird der Lokaljournalismus nun totgesagt. Man braucht ihn einfach nicht mehr. Schließlich gibt es ja das Internet, Social Media und Blogs.

Ich habe mich dieser Meinung lange angeschlossen, die tägliche Tageszeitung gehörte mental viel mehr auf den Küchentisch meiner Eltern, als in meine moderne und schillernde Welt der neuen und neusten Medien.

Diese neue Welt war lange geprägt von der großen weiten Welt. Durch das Internet gelangt jeder zu Orten die er physisch vielleicht nie erreichen wird, tauscht sich mit Menschen aus, die er persönlich nur kennenlernen wird. Haben wir lange gedacht…

Jedem Anfang wohnt das Altbekannte inne

Heute schaue ich mich um und stelle fest, dass die Gruppen und Foren, in denen online am meisten diskutiert wird, Gemeinschaften sind, die sich um lokale oder zugespitzte Themen drehen. Mit allen populistischen Rattenschwänzen die „Nähe“ mit sich bringt.

Große Themen, interessieren am Rand. Die Erhöhung der Grundsteuer B in der eigenen Stadt, füllt ganze Seiten. Es sind die lokalen und unmittelbaren Themen die uns berühren, ansprechen und unseren Alltag direkt beeinflussen. Darüber wollen wir informiert sein und mitreden.

Mich erstaunt es noch immer, wie rege die Diskussionen in den geschlossenen Facebook-Gruppen meiner zwei Heimatstädte (ich wohne im Ruhrgebiet und arbeite im Rhein-Main-Gebiet) ausfallen, wenn es um – auf den ersten Blick – banalste Dinge geht.

Die Vernetzung der Welt scheint dazu zu führen, dass die Menschen sich wieder dem zuwenden was sie verstehen, worin sie sich auskennen. Oft unreflektiert und dumm, manchmal klug und weitsichtig. Fast immer interessiert.

Lokale Marken schießen aus dem Kraut

Immerhin bin ich mittlerweile 35 und in meiner Jugend wäre es undenkbar und extrem uncool gewesen, sich mit Devotionalien der eigenen Heimatstadt oder der Region zu schmücken, aus der man stammt. Heute tummeln sich an allen Ecken Märkte mit regionalen Produkten. Es entstehen regionale Marken mit Erfolgen die vor ein paar Jahren noch nicht denkbar gewesen wären. Sie hätten als extrem altbacken gegolten. Ich denke konkret an zwei, Euch fallen sicher noch viele mehr ein – Born in the Wetterau und 5845X.

Und was hat das mit Lokaljournalismus zu tun?

Der Lokaljournalismus wird nicht getötet, er begeht Suizid. Jedes Lokalblatt wartet heute nach wie vor mit den großen Themen der Welt auf, meistens in Form von Standardmeldungen der großen Presseagenturen. Langweilig. Denn meistens sind diese Themen schon bekannt oder andere Zeitungen arbeiten sie besser auf. Die großen Themen werden von den Großen abgefrühstückt, FAZ, Süddeutsche, usw.

Den interessanten Teil Ihrer Arbeit verstecken die Lokalen im Innenteil. So als müsse man sich dafür schämen. Doch gerade hier liegen die Chancen, denn hier sind die Themen die den lokalen Leser interessieren, fesseln und über die er keine anderen Informationsquellen hat.

Gute Nachricht Nummer 2: Wir alle sind lokale Leser… irgendwo.

Gehört dem Lokaljournalismus also die Zukunft? Nein, wenn er so weitermacht wie bisher. Lokale Zeitungen müssen verstehen wo ihre Stärken liegen und nicht versuchen ein Modell der Vergangenheit weiter künstlich am Leben zu halten. Das neue regionale Interesse, gerade junger Menschen ist eine Chance die nicht mehr wiederkommen wird. Wer das jetzt erkennt stellt sich gut auf uns ist für die weitere Zukunft sicher.

Und ich? Lese, neben einer großen Tageszeitung,  mit Freude die WAZ, die Wetterauer Zeitung und den Wiesbadener Kurier. Jeden Morgen, aus beruflichen und privaten Interesse.

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