Warum die CDU kein Neuland-Einzelfall ist

Vor einigen Tagen geisterte diese Stellenanzeige der CDU durch das Netz:

Darin sucht die Partei, „zum baldmöglichsten Zeitpunkt eine/n Redakteur/in als Wahlkampfunterstützung“, einen Mitarbeiter, um den plötzlich aufkeimenden Wahlkampf bekämpfen zu können.

Das Gesuch wurde mit viel Spott und Häme überzogen. Ich konnte mir selber ein kleines Lachen nicht ganz verkneifen. Zu aktionistisch erschien mir der gefühlte Hilferuf aus dem Inneren des Konrad-Adenauer-Hauses.

Ist es denn zum Lachen?

Bei genauer Betrachtung steht die CDU aber nicht alleine da. Bei keiner der etablierten Parteien erkenne ich zur Zeit ein tatsächliches Konzept in der Onlinekommunikation. Kampagnen, auf die der potenzielle Wähler auch offline treffen kann werden online gespiegelt. Sprich: einfach auch dort reingehämmert. Ansprachen und Reden der Spitzenkandidaten mit einigem Aufwand ins Netz übertragen. Das ist aber alles nicht neu, sondern nutzt lediglich die Möglichkeiten die nun mal bestehen. Immerhin will es sonst ja niemand übertragen.

Ein flankierendes Konzept, wie man es zum Beispiel bei den großartigen Livestreams des Royal Opera House findet, sucht man bei der Übertragung von Parteien vergebens. Was macht das Opernhaus aus England? Angepasst an die Sehgewohnheiten der Zuschauer werden nicht nur die Geschehnisse auf der Bühne übertragen. Vielmehr gibt es Berichterstattungen rund um den Abend, Interviews mit den Protagonisten und Blicke hinter die Kulissen. Der Zuschauer hat das tatsächliche Gefühl etwas exklusives zu erleben.

Diese Möglichkeiten nutzen Parteien nicht.

Warum?

Die Antwort scheint recht trivial. Weil sie es nicht können. Weil sie es nicht wollen. Das zeigt die oben beschriebene Stellenanzeige.

Sie zeigt, hier exemplarisch am Beispiel der CDU, dass es keine wirkliche Strategie, keinen langfristigen Plan für die veränderten Vorzeichen der Kommunikation zwischen Parteien und dem Rest der Republik gibt.

Wo erleben wir gute „sozial medial“-Arbeit?

Wenn ich gute Kommunikation in Social Media erlebe, dann ist sie stets auf individuelles Engagement und Interesse von einzelnen Politikern zurückzuführen. Es gibt, neben den üblichen und bekannten Verdächtigen aus der Spitzenpolitik, auch viele Politikerinnen und Politiker in zweiter Reihe, die einen ernsten Austausch mit ihren Wählern suchen, sich Diskussionen stellen und die Transparenz schaffen, die Politik wieder attraktiv machen kann.

Was fehlt?

Was fehlt ist die übergreifende Erkenntnis, dass Onlinekommunikation kein notwendiges Übel für die politische Kommunikation ist, sondern ein wünschenswertes Gut.

Was fehlt ist der Mut auch außerhalb der eigenen Auftritte aktiv zu werden. Die sozialen Medien sind voll von Gruppen und Foren in denen ernsthaft über Politik geredet wird. Hier trifft sich die viel beschworene Basis, hier kann sie abgeholt werden. Aber weder Parteien, noch Politiker beteiligen sich sichtbar und offiziell an diesen Diskursen.

Mit schnellen Teamaufstockungen durch leichtbezahlte Nachwuchskräfte ist keines der Ziele zu erreichen.

 

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