Der Ruhrpott macht auf Nordsee – gut!

Die letzten zwei Wochen habe ich auf der Insel verbracht – Langeoog. Meine Frau: Ärztekongress. Ich: Kinder hüten und einen Urlaub genießen, für den man sich an der Nordsee fast schämen muss – 14 Tage karibischer Sonnenschein, keine Wolke, Strandwetter.

Auch dank dem Verzicht auf Notebook, Tablet und Smartphone hatte ich viel Zeit meine Umgebung zu beobachten und stellte fest, dass der Norden voll ist mit Reliquien aus alter Seefahrerzeit. Die Vorgärten sind voll mit Ankern und Bojen, vor der Stadthalle Langeoog findet sich ein ausgemusterter Seenotretter. Die Kinder tragen Strampler mit Anker, die Papas Unterarme mit Meerjungfrauen. Spielplatzgeräte sind wie Schiffe geformt, Shanty Chöre singen am Strand und das alles wirkt verdächtig wenig nach Touristenkitsch, sondern vielmehr nach Stolz auf die eigene, durch Meer, Ebbe und Flut geschliffene Identität.

Wenn ich durchs Ruhrgebiet schlendere sehe ich eine ähnliche Entwicklung. Die Insignien des Bergbaus, quasi das Pendent zur Seefahrt, finden immer mehr Einzug in den Alltag. Überall begegnen Schlägel und Eisen dem aufmerksamen Betrachter. Immer mehr Marken versuchen mit dem Ruhrpottimage ein paar Euros zu verdienen. Vom Grubenmann bis zu Ruhrpottliebe ist vieles dabei. Viel Mist, ja, aber die Entwicklung ist gut. Das Ruhrgebiet verabschiedet sich langsam aber sicher von der Scham eine ehemalige Bergbauregion zu sein, die nun brach liegt. Denn das tut sie nicht. Viele ehemalige Zechen und Industriebrachen sind längst Orte des kulturellen Zusammenkommens und der Kultur. So etwas gibt es kein zweites Mal und die Objekte und Symbole, die lange in Kellern und Kellerbars versteckt wurden, strahlen in neuem Glanz, lassen den Pott in einem neuen Selbstbewusstsein erstrahlen.

Das ist gut, denn das Ruhrgebiet braucht sich für gar nichts schämen. Im Gegenteil. Es darf aber ein bisschen nach Norden schauen und noch mehr von dem Selbstbewusstsein aufnehmen, das die Bewohner von Norderney, Langeoog und Sylt längst haben. Auch hier ist die Schifffahrtsromantik genauso tot, wie der Bergbau zum Broterwerb dient. Das hindert aber niemanden daran sich seiner Wurzel bewusst zu sein und die Symbole als Vehikel in eine neue Zeit zu nutzen.

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