Chef-Kommunikation. Warum „oben“ sein seine Tücken hat

Seit mehreren Tagen füllen Ursula von der Leyen und ihre Aussage, dass die Bundeswehr ein Haltungsproblem habe die Medien. Weiter spricht die Bundesministerin der Verteidigung von Führungsschwäche und falsch verstandenem Korpsgeist.

Ob das stimmt oder nicht soll an dieser Stelle nicht kommentiert werden. Auch, weil ich es nicht beurteilen kann.

Neben der inhaltlichen Bewertung und Deutung ist es spannend sich anzuschauen in welcher kommunikativen Lage sich von der Leyen befindet. Durch ihren Posten ist sie so etwas wie die Oberbefehlshaberin der Bundeswehr. Sie hat den höchsten Rang, ist der Chef. Gleichzeitig ist Sie als Ministerin auch Mitglied einer Partei, einer Fraktion, eines Regierung und den Wählern Rechenschaft schuldig.

Nicht ganz einfach

Die Rolle als Chefin bringt die Verteidigungsministerin in eine Zwickmühle, die schwer zu lösen ist. Als Boss der Bundeswehr ist sie die letzte Instanz, das letzte Glied in der Befehlskette. Somit erwarten die Öffentlichkeit und die Mitglieder ihrer Truppe ein letztendliches Wort über die Ausrichtung und die Hintergründe der Geschichte. Von der Chefin wird erwartet, dass sie ihren Laden in Schuss hält und an den Stellen interveniert, an denen es etwas zu tun gibt. Kein anderer Minister ist gleichzeitig auch Arbeitgeber einer ganzen Berufsgruppe – außerhalb seines oder ihres Ministeriums.

Das führt dazu, dass von von der Leyen erwartet wird, dass sie, ähnlich einem Chef in der freien Wirtschaft, sich vor ihre Mitarbeiter stellt und sich für sie ausspricht. Die Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr erwarten eine Fürsprecherin die ihre Anliegen vertritt.

Ein Problem

Einerseits ist die Ministerin der Öffentlichkeit Rechenschaft schuldig und muss dafür sorgen, dass die Truppe entsprechend der Erwartungen unserer Zeit entwickelt wird. Andererseits ist sie Chefin die auf das Vertrauen Ihrer „Mitarbeiter“, der Soldaten angewiesen ist. Verliert sie das Vertrauen einer dieser beiden Parteien, dann verliert sie ihren Job.

Eine Herausforderung die auch viele Führungskräfte in der Wirtschaft kennen. Sie müssen ihr Unternehmen entwickeln, in die Gewinnzone lenken oder halten und gleichzeitig das Vertrauen und die Fürsprache ihrer Mitarbeiter behalten. Das schließt zu viel Offenheit aus. Die Einbindung in gegebenen Strukturen führt zwangsläufig zu einem Abflauen der eigenen Meinungsfreiheit. Gut, denn das „Vor-den-Kopf-stoßen“ wird dadurch wesentlich minimiert und gestaltet den Alltag stressfreier. Schlecht, denn Dinge die bekannt sind und gesagt werden müssten werden nicht gesagt.

Die Lösung

Von der Leyen muss sich nun entscheiden. Will sie die Bundeswehr grundlegend umkrempeln und offensichtliche Missstände aufdecken – so wie es die Öffentlichkeit verlangt. Oder entscheidet sie sich für den Weg, sich vor ihre Truppe zu stellen und das Thema langsam aus der Öffentlichkeit zu verabschieden.

Sie kann das Ganze auch aussitzen. Dann ist aber langfristig niemandem geholfen.

Es ist also nicht nur das mittlere Management das häufig in einer Sandwich-Position gefangen ist. Auch die „Oberste Heeresleitung“ hat schnell ein Problem, wenn es darum geht nach außen zu strahlen, ohne im Inneren dauerhaft Unruhe aufkommen zu lassen.

Daher müssen Führungskräfte vor allem eines sein: Kommunikationsknotenpunkte. Sie müssen Vertrauen sähen und dafür sorgen stets informiert zu sein. Sie müssen Themen ansprechen, wenn sie wichtig sind und antizipieren wie sich Sachverhalte entwickeln. Somit können sie vermeiden auf die eigenen Leute zeigen zu müssen wenn es mal schief geht. Denn schwarze Schafe gibt es immer. Ein Problem entsteht erst, wenn die Struktur die schwarzen Schafte erst möglich macht.

 

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