Die NRWahl – Nicht das Wir entscheidet

NRW hat gestern gewählt. Das Ergebnis ist, zumindest für die SPD, niederschmetternd. Aber auch für die Piraten, die Grünen – und die AfD hatte sich sicher auch mal mehr ausgerechnet.

CDU und FDP dürfen jubeln und ich möchte mich mit der Frage beschäftigen, welche Rolle die politischen Kampagnen gespielt haben.

Keine!

Denn die Wähler bekamen im gesamten Wahlkampf kaum etwas zu sehen, das sich mit einer politischen Kampagne verwechseln ließe.

Der Wahlkampf war von dem geprägt, was guten Gewissens als Werbung bezeichnen werden darf. Plakate mit großen Gesichtern und klaffenden Claims. Die SPD entschied sich für ein allgegegenwärtiges Hashtag (#) mit dem folgenden Wortspiel NRWir. Hier stellt sich sofort die Frage nach Henne und Ei. Was war zuerst da, die Wille zum Wortspiel generell oder die Idee ein Wir-Gefühl vermitteln zu wollen. Bei mir wollte sich dieses Gefühl zu keinem Moment einstellen. Ich habe nicht verstanden was gemeint war. Die alleinige Tatsache in einem gemeinsamen Bundesland zu wohnen schafft, zumindest bei mir, keine Gefühl der Zusammengehörigkeit. Dazu braucht es mehr. Vor allem Menschen, mit denen ich dieses Gefühl assoziieren kann.

Die Sache mit dem #

Werbend warben die Kraft´sche Plakat also für das #NRWir und vergaß dabei, dass sie mit dem Hashtag gleich zwei Zielgruppen vor den Kopf stieß:

  1. Die online-affine Zielgruppe, die weiß, dass Hashtags einen technischen Nutzen erfüllen. Sie aggregieren Inhalte und machen alles auffindbar was unter einem bestimmten Hashtag geteilt wurde. Diese Zielgruppe weiß auch, dass Hashtags etwas Anarchisches haben. Hashtags entstehen aus der Community, sie sind Reaktionen auf Themen. Viele Marken haben sich bereits die Zähne daran ausgebissen einen Hashtag zu etablieren. Funktioniert selten, nutzt nie. Die SPD hat es erneut beweisen.
  2. Die offline-affine Zielgruppe, die schlicht nicht versteht, was dieses Zeichen vor dem Wortspiel soll.

Hier zeigt sich, dass klar in Kampagne gedacht wurde. Wie können wir bunt sein, einen Wiedererkennungswert schaffen? Wie wirken wir zeitgemäß und pushen unsere Ideen in den Markt? Politiker sind doch letztlich auch nur Marken. Nein, sind sie nicht…

Bildergebnis für wahlplakat kraft 2017

Lindner ist da konsequenter

Der FDP-Chef war dabei noch konsequenter. Konsequent im Sinne von: gut! Er stellte sich, wahrscheinlich auch mangels Alternativen, mit dem Gesicht und zitierten Aussagen vorne an. Die Optik dabei entsprach modernen Kampagnen, wie man sie auch für Produkte des täglichen Bedarfs findet: klar, sauber, aufgeräumt und emotional.  So wie man es gerade halt macht. Das schaffte Vertrauen zu einer sich jung gebenden Partei, die wenig zu verlieren hat. Ob es einen solchen Wahlkampf auch aus einer starken Position heraus gegeben hätte?

Wahlplakat der FDP mit Christian Lindner

1,2, die Grünen

Die Grünen versuchten auf Personen und Themen zu setzen – gleichzeitig –  und positionierte unter 1. den Namen des jeweiligen Wahlkreiskandidaten auf die Plakate. Darunter fand sich, unter 2. dann eine politische Aussage. Gut gedacht, wirkt aber belehrend und beantwortet die Fragen nach dem wie gar nicht.

Wahlbanner

Überhaupt: Wahlkampf

Die Frage die sich alle Parteien stellen mussten ist aber Folgende: Ist ein Wahlkampf, wie er geführt wurde, noch zeitgemäß? Sechs Wochen vor der Wahl kriechen die Parteien aus ihren Zentralen und bevölkern Bäume, Laternenmasten und Innenstädte – political pollution! Mit großem Tschingderassabum werden Give-aways verteilt und Stände aufgebaut, Facebook gefüllt und Instagram getaggt.

Danach: wird alles wieder eingerollt und muss bis zum nächsten Einsatz warten.

Im Zeitalter der Dauerkommunikation ist ein solcher Einsatz nicht mehr zeitgemäß. Heute haben Politiker die Möglichkeit auch zwischen zwei Wahlen, ohne Aufwand an ihre Wähler heranzutreten. Aber kaum einer macht das… Kommunikation wird als Mittel zum Zweck betrieben. Nicht, um tatsächlich das Ohr am Volk zu haben. Nicht, um wirklich ins Gespräch zu kommen.

Die Realität wird auf dem Altar der schönen Bilder und knackigen Aussagen geopfert. Marken wurden dafür schon immer abgestraft! Insofern haben Politiker, Parteien und Marken durch gewisse Schnittstellen.

Was gilt es aus der NRW Wahl zu lernen?

Aus parteiübergreifenden Radiointerviews schallt mir heute entgegen: „Jetzt beginnt der Wahlkampf!“

Für den Wähler (in NRW, Kiel und dem Saarland) bedeutet das: nun werden neue Plakate aufgehängt und die Leute von gestern werben statt für einen Landes- für einen Bundestagkandidaten. Was es aber stattdessen braucht sind neue Formate der On-und Offlineansprache und die Förderung einer neuen politischen Kultur.

Die Parteien müssen sich überlegen, wie Politik wieder da ankommen kann, wo sie hingehört: bei denen die nicht für ein Amt kandidieren. Dazu gehören eigene parteiindividuelle Themen und Aussagen, die zulassen, dass ein Wir entstehen kann. Denn ein Wir braucht eine Abgrenzung gegen Die. Sonst entsteht ein Brei in den zwar jeder seine Gedanken und Wünsche interpretieren kann, der letztendlich aber immer zur Enttäuschung führen wird.

Die Parteien müssen verstehen, dass sie nur Vertreter der Demokratie sind und nicht die Demokratie selber. Aus dieser Demut kann dann das entstehen was gebracht wird: echtes Interesse für Demokratie und kein Hinterherhecheln nach Stimmungsbildern. Auf Seiten der Wähler und auf der der zu Wählenden!

Chef-Kommunikation. Warum „oben“ sein seine Tücken hat

Seit mehreren Tagen füllen Ursula von der Leyen und ihre Aussage, dass die Bundeswehr ein Haltungsproblem habe die Medien. Weiter spricht die Bundesministerin der Verteidigung von Führungsschwäche und falsch verstandenem Korpsgeist.

Ob das stimmt oder nicht soll an dieser Stelle nicht kommentiert werden. Auch, weil ich es nicht beurteilen kann.

Neben der inhaltlichen Bewertung und Deutung ist es spannend sich anzuschauen in welcher kommunikativen Lage sich von der Leyen befindet. Durch ihren Posten ist sie so etwas wie die Oberbefehlshaberin der Bundeswehr. Sie hat den höchsten Rang, ist der Chef. Gleichzeitig ist Sie als Ministerin auch Mitglied einer Partei, einer Fraktion, eines Regierung und den Wählern Rechenschaft schuldig.

Nicht ganz einfach

Die Rolle als Chefin bringt die Verteidigungsministerin in eine Zwickmühle, die schwer zu lösen ist. Als Boss der Bundeswehr ist sie die letzte Instanz, das letzte Glied in der Befehlskette. Somit erwarten die Öffentlichkeit und die Mitglieder ihrer Truppe ein letztendliches Wort über die Ausrichtung und die Hintergründe der Geschichte. Von der Chefin wird erwartet, dass sie ihren Laden in Schuss hält und an den Stellen interveniert, an denen es etwas zu tun gibt. Kein anderer Minister ist gleichzeitig auch Arbeitgeber einer ganzen Berufsgruppe – außerhalb seines oder ihres Ministeriums.

Das führt dazu, dass von von der Leyen erwartet wird, dass sie, ähnlich einem Chef in der freien Wirtschaft, sich vor ihre Mitarbeiter stellt und sich für sie ausspricht. Die Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr erwarten eine Fürsprecherin die ihre Anliegen vertritt.

Ein Problem

Einerseits ist die Ministerin der Öffentlichkeit Rechenschaft schuldig und muss dafür sorgen, dass die Truppe entsprechend der Erwartungen unserer Zeit entwickelt wird. Andererseits ist sie Chefin die auf das Vertrauen Ihrer „Mitarbeiter“, der Soldaten angewiesen ist. Verliert sie das Vertrauen einer dieser beiden Parteien, dann verliert sie ihren Job.

Eine Herausforderung die auch viele Führungskräfte in der Wirtschaft kennen. Sie müssen ihr Unternehmen entwickeln, in die Gewinnzone lenken oder halten und gleichzeitig das Vertrauen und die Fürsprache ihrer Mitarbeiter behalten. Das schließt zu viel Offenheit aus. Die Einbindung in gegebenen Strukturen führt zwangsläufig zu einem Abflauen der eigenen Meinungsfreiheit. Gut, denn das „Vor-den-Kopf-stoßen“ wird dadurch wesentlich minimiert und gestaltet den Alltag stressfreier. Schlecht, denn Dinge die bekannt sind und gesagt werden müssten werden nicht gesagt.

Die Lösung

Von der Leyen muss sich nun entscheiden. Will sie die Bundeswehr grundlegend umkrempeln und offensichtliche Missstände aufdecken – so wie es die Öffentlichkeit verlangt. Oder entscheidet sie sich für den Weg, sich vor ihre Truppe zu stellen und das Thema langsam aus der Öffentlichkeit zu verabschieden.

Sie kann das Ganze auch aussitzen. Dann ist aber langfristig niemandem geholfen.

Es ist also nicht nur das mittlere Management das häufig in einer Sandwich-Position gefangen ist. Auch die „Oberste Heeresleitung“ hat schnell ein Problem, wenn es darum geht nach außen zu strahlen, ohne im Inneren dauerhaft Unruhe aufkommen zu lassen.

Daher müssen Führungskräfte vor allem eines sein: Kommunikationsknotenpunkte. Sie müssen Vertrauen sähen und dafür sorgen stets informiert zu sein. Sie müssen Themen ansprechen, wenn sie wichtig sind und antizipieren wie sich Sachverhalte entwickeln. Somit können sie vermeiden auf die eigenen Leute zeigen zu müssen wenn es mal schief geht. Denn schwarze Schafe gibt es immer. Ein Problem entsteht erst, wenn die Struktur die schwarzen Schafte erst möglich macht.

 

Warum die nicht-Kommunikation der „Pulse of Europe“-Bewegung hilft

Die großen geschichtlichen Ereignisse wurden oft von unbekannten Gläubigen verwirklicht, die nichts als ihren Glauben besaßen. – Gustave Le Bon

Die Pulse of Europe-Bewegung erfasst zunehmend immer mehr Städte. Sonntags, um 14 Uhr, füllen sich Plätze und versammelt Menschen, die gemeinsam für Europa demonstrieren.

Das ist gut, denn Europa steht schlechter da als jemals zuvor. Die Euphorie ist vorbei, die das Konstrukt verschiedener Länder, Kulturen und Ideen über Jahrzehnte einen konnte. Die Generation, die den Ruf Nie wieder Krieg aus eigenen Kriegserfahrungen nähren konnte, verstummt langsam.

Zurück bleibt eine Generation, für die Europa selbstverständlich ist. Kriegslosigkeit, Grenzenlosigkeit, Einigkeit. Eine Generation, die mehr erwartet, aber nicht genau weiß was. Ich zähle dazu.

Die Verwaltung Europas hat sich darüber hinaus nie mit Ruhm bekleckert, wenn es darum ging die Union so zu bewerben, dass sie attraktiv erscheint. Bürokratismus und Bananen-Normungen sind spürbar, alles andere kaum.

Das ist schade. Und es ist gut, dass nun eine neue Graswurzelbewegung ihre Stimme für Europa erhebt – Pulse of Europe. Die Bewegung ist eine Idee: Menschen treffen sich, Sonntags um 14 Uhr und erheben ihre Stimme für Europa, gegen diejenigen die es kaputtreden wollen.

Dabei sind die einzelnen Veranstaltungen kaum vernetzt, quasi jeder darf reden, es gibt keinen größeren festen Ablauf.

Diese nicht-Vernetzung in einer vernetzten Welt ist positiv. Denn sie lässt zu, dass sich Menschen entsprechend ihres eigenen Umfelds mit einer einheitlichen Idee identifizieren können. Pulse of Europe ist in Brüssel etwas anderes als in Berlin, als in München, als in Witten.

Das ist gut, denn damit löst die Bewegung das Grundproblem Europas – die Zentralisierung. Bei Pulse of Europe kann jeder sein eigenes Europa feiern, seine eigene Idee und bringt sich so in ein Kollektiv ein, das geschlossen für eine Sache einsteht.

Paradoxerweise führt erst die digitale Vernetzung zum Erfolg und zur Ausbreitung der Bewegung. Ohne Facebook und Co. hätte Pulse of Europe nie ein kritische Masse erreichen können.

Was sollten Europapolitiker tun?

Die Bewegung ist ein Segen für immer mehr ratlos erscheinende Europa-Politiker, denn sie zeigt, dass die Europäer Europa wollen – als Inhalt. Die Form allerdings lehnen viele Menschen ab. Andersrum wäre es schlecht, so ist es ein lösbares Problem.

EU-Politiker sollten sich nun aufmachen und der Bewegung beitreten, sie anhören, ohne sie zu okkupieren. Denn was Europa nicht braucht sind ein Europa der Bürokraten und eines der Bürger.

 

Warum die CDU kein Neuland-Einzelfall ist

Vor einigen Tagen geisterte diese Stellenanzeige der CDU durch das Netz:

Darin sucht die Partei, „zum baldmöglichsten Zeitpunkt eine/n Redakteur/in als Wahlkampfunterstützung“, einen Mitarbeiter, um den plötzlich aufkeimenden Wahlkampf bekämpfen zu können.

Das Gesuch wurde mit viel Spott und Häme überzogen. Ich konnte mir selber ein kleines Lachen nicht ganz verkneifen. Zu aktionistisch erschien mir der gefühlte Hilferuf aus dem Inneren des Konrad-Adenauer-Hauses.

Ist es denn zum Lachen?

Bei genauer Betrachtung steht die CDU aber nicht alleine da. Bei keiner der etablierten Parteien erkenne ich zur Zeit ein tatsächliches Konzept in der Onlinekommunikation. Kampagnen, auf die der potenzielle Wähler auch offline treffen kann werden online gespiegelt. Sprich: einfach auch dort reingehämmert. Ansprachen und Reden der Spitzenkandidaten mit einigem Aufwand ins Netz übertragen. Das ist aber alles nicht neu, sondern nutzt lediglich die Möglichkeiten die nun mal bestehen. Immerhin will es sonst ja niemand übertragen.

Ein flankierendes Konzept, wie man es zum Beispiel bei den großartigen Livestreams des Royal Opera House findet, sucht man bei der Übertragung von Parteien vergebens. Was macht das Opernhaus aus England? Angepasst an die Sehgewohnheiten der Zuschauer werden nicht nur die Geschehnisse auf der Bühne übertragen. Vielmehr gibt es Berichterstattungen rund um den Abend, Interviews mit den Protagonisten und Blicke hinter die Kulissen. Der Zuschauer hat das tatsächliche Gefühl etwas exklusives zu erleben.

Diese Möglichkeiten nutzen Parteien nicht.

Warum?

Die Antwort scheint recht trivial. Weil sie es nicht können. Weil sie es nicht wollen. Das zeigt die oben beschriebene Stellenanzeige.

Sie zeigt, hier exemplarisch am Beispiel der CDU, dass es keine wirkliche Strategie, keinen langfristigen Plan für die veränderten Vorzeichen der Kommunikation zwischen Parteien und dem Rest der Republik gibt.

Wo erleben wir gute „sozial medial“-Arbeit?

Wenn ich gute Kommunikation in Social Media erlebe, dann ist sie stets auf individuelles Engagement und Interesse von einzelnen Politikern zurückzuführen. Es gibt, neben den üblichen und bekannten Verdächtigen aus der Spitzenpolitik, auch viele Politikerinnen und Politiker in zweiter Reihe, die einen ernsten Austausch mit ihren Wählern suchen, sich Diskussionen stellen und die Transparenz schaffen, die Politik wieder attraktiv machen kann.

Was fehlt?

Was fehlt ist die übergreifende Erkenntnis, dass Onlinekommunikation kein notwendiges Übel für die politische Kommunikation ist, sondern ein wünschenswertes Gut.

Was fehlt ist der Mut auch außerhalb der eigenen Auftritte aktiv zu werden. Die sozialen Medien sind voll von Gruppen und Foren in denen ernsthaft über Politik geredet wird. Hier trifft sich die viel beschworene Basis, hier kann sie abgeholt werden. Aber weder Parteien, noch Politiker beteiligen sich sichtbar und offiziell an diesen Diskursen.

Mit schnellen Teamaufstockungen durch leichtbezahlte Nachwuchskräfte ist keines der Ziele zu erreichen.

 

Donald Trump auf dem absteigenden Like-Ast

Der neue POTUS versteht sich als Boss, als Dealmaker. Anders als jeder Präsident vor ihm bringt er das Wollen mit ins Amt, die Gesetze der Unternehmensführung auch in das höchste Amt der USA einzuführen.

Und wie wird in der Wirtschaft Erfolg gemessen? Anhand von Kurven die Entwicklungen darstellen. Meist Umsätze, Gewinne oder ähnliches.

Im Falle des US-Präsidenten lassen sich solche Zahlen nicht nennen. Die Währung allerdings, die ihn zum Amt getragen hat sind seine Reichweiten in den sozialen Medien.

Trumps Twitterkanal ist und bleibt das Hauptsprachrohr des ehemaligen TV-Moderators. Daher stellen die Anzahl der Likes für seine jeweiligen Tweets eine Aussage über die Zustimmung des Präsidenten dar. Zumindest spiegelt sie das Interesse an den Trump´schen Ideen und Ergüssen.

Und diese Zahlen zeigen eine absteigende Tendenz. Noch im Januar, direkt nach seiner Amtseinführung, 

ernteten Trumps Tweets stets mehr als 75.000 Likes (was knapp 0,3% seiner Follower insgesamt entspricht), kratzten sogar an der 300.000.

Bereits im Februar sieht die Statistik so aus:

Trump auf dem absteigenden Ast? Nein, das kann man zu diesem Zeitpunkt nicht sagen. Dafür ist die Anzahl der Daten zu dünn. Trotzdem werde ich die Entwicklung weiter verfolgen, auswerten und hier im Blog publizieren.

Warum? Trump ist nicht greifbar, wehrt sich gegen Fakten und ihre Auswirkungen. Daher ist es wichtig ihn da zu analysieren wo er eine Relevanz sieht. Sein Twitter-Account gehört unzweifelhaft dazu.

Warum Trump die Enttrumpisierung fürchten muss

Einen großen Teil ihres temporären Erfolges haben die Nationalsozialisten im sogenannten Dritten Reich ihrer, im Sinne der Sache, gelungenen Kommunikation zu verdanken.

Sie bereiteten Deutschland auf ein „Tausendjähriges Reich“ vor und setzten alles daran, diese Idee im Volk zu verkaufen.

„Nach mir die Sintflut“, wird sich also manches gedacht haben. 1000 Jahre wird kein Mensch und deshalb machte es wenig Sinn über die Zeit nach Hitler zu sinnieren. Erst die Entnazifizierung durch die alliierten Siegermächte brachte dann für manchen das Böse erwachen. Man war einem Dämon hinterher gelaufen und hatte „Hurra“ bei etwas gebrüllt, das verabscheuungswürdig war.

Donald Trump wird maximal acht Jahre im Präsidentenamt bleiben – so will es die Verfassung der Vereinigten Staaten. Und diese Perspektive löst bereits jetzt, Wochen nach der Amtseinführung, aus, dass sich Menschen auf die „nach-Ära“ vorbereiten.

Angefangen mit dem Ausscheiden eines großen Teils des Stabes eines Ministerium, weiter über die klare Kampfansage einer Gruppe von Geheimdienstlern.

Die Menschen verstehen, dass sie in einer Zeit nach Trump Probleme bekommen werden, sollte man sie seinen Unterstützern oder Zuarbeitern zuordnen können.

Paradoxerweise sind es egoistische Momente, die der Gemeinschaft helfen. Jeder denkt an sich, will nicht persönlich in Mitleidenschaft geraten, wenn es heißt „Trump ist weg“ und schafft dadurch eine Massenbewegung.

Irgendwann wird Trump also darüber stolpern, dass nur die, die nicht können wollen und die die können nicht mehr wollen, bzw. dürfen.

Zitat

Alt versus neu

„Das Recht auf eine nützliche und bezahlte Arbeit, das Recht auf ausreichenden Verdienst, das Recht jedes Bauern, mit dem Anbau und Verkauf seiner Produkte das Auskommen seiner Familie zu sichern, das Recht jedes Geschäftsmanns auf Freiheit vor unfairer Konkurrenz und Beherrschung durch Monopole, das Recht jeder Familie auf eine anständige Wohnung, das Recht auf ausreichenden Schutz vor wirtschaftlichen Sorgen im Alter, bei Krankheit und Arbeitslosigkeit, das Recht auf eine gute Ausbildung. Welchen Platz Amerika in der Welt einnimmt, wird weitgehend davon abhängen, wieweit diese oder ähnliche Rechte für unsere Bürger in die Praxis umgesetzt worden sind. Ohne Sicherheit hier zu Hause kann es in der Welt keinen dauerhaften Frieden geben.“

Schulz 2017?

Nein, Roosevelt 1944. 
Die Ideen der sozialen Gerechtigkeit sind nicht neu. Es ist aber wichtiger denn je sie jetzt anzugehen und umzusetzen. Denn auch der Erfolg von Deutschland und Europa, der Frieden und das Zusammenleben aller Menschen hängt noch immer von vielen dieser Faktoren ab.  

Für mehr Erklären – Warum Populär Populismus begegnen kann

Laut vieler Thesen und Medienberichten befinden wir uns nun im postfaktischen Zeitalter und der Populismus gewinnt langsam die Oberhand.

Das mag in Teilen stimmen. Alleine aber das Hinnehmen dieser Tatsachen empfinde ich als ebenso postfaktisch und pre-populistisch. Zeichen sich Populisten nicht dadurch aus, dass sie eben keine weiteren Meinungen gelten lassen wollen als ihre? Genau!

Die größte Schwierigkeit beim Populismus ist ja, dass man ihn nicht sofort erkennt. Auch vor dem Ausrufen unserer heutigen Zeit gab es Populisten und populistische Äußerungen. Letztlich leben wir alle davon hier und da populistisch zu agieren. Und sei es nur im Kleinen. Populismus ist nicht grundlegend „böse“. Schlecht ist er nur, wenn er nicht erkennbar ist. Oder auf Menschen trifft die alles unhinterfragt lassen.

Warum hat der Populismus gerade jetzt eine Chance?

Um eine berühmte Tampon-Werbung frei zu zitieren: Die Geschichte des Populismus ist eine Geschichte voller Missverständnisse und absolut nichts neues.

Karl Marx fand 1844 mit dem Claim, Religion sei das Opium des Volkes eine treffende Kurzbeschreibung für die Art und Weise wie die Kirche die Menschen an sich bindet.

Bereits Aristoteles beschrieb den Populismus indirekt als er erklärte, dass Substanz etwas sein, dass nichts anderes um sich herum braucht um zu existieren.

Populismus ist also ein alter Hut. Warum also ist er wieder neu in Mode?

Weil alle, die etwas zu erklären hätten, dieser Aufgabe in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten nur bedingt gut nachgekommen sind.

Gerade die Politik hat oftmals versäumt die tatsächlich schwierigen und weitverzweigten Sachzusammenhänge transparent zu machen, zu zeigen warum eine Entscheidung so getroffen wurde wie man sie nun vorfindet. Es wurden Modelle und Reformen erfunden und erarbeitet die funktionieren – die aber niemand außerhalb des politischen Systems wirklich versteht.

Populismus wird auch als Anti-Intellektualismus beschrieben. Und darin liegt, meines Erachtens die Lösung. Keine Gesellschaft ist als Masse intellektuell. Tatsächlich wird „Masse“ immer eher vom gesunden Menschenverstand geleitet. Und dieser ist eher simpel als kompliziert.

Was ist also zu tun? Wie kann dem Populismus begegnet werden?

Durch Popularität.

Populär entstammt dem französischen Wort populaire  und bedeutet „zum Volk gehörig“. Also eine Forderung die immer wieder, gerade an die Politik gestellt wird aber auch in Unternehmen immer dann laut wird, wenn zu viel top-down herrscht.

Die Unterschied zwischen populär und populistisch ist dabei, dass populäres Handeln darauf zielt Entscheidungen verständlich zu machen, herzuleiten, zu erklären. Es besteht also ein grundlegender Unterschied zu einer populistischen Handlungsweise.

Erklären wiederum leitet sich vom Adjektiv klar ab und steht für deutlich oder auch ausrufen.

Wie begegnen wir also dem Populismus unserer Zeit, der die Gefahr birgt rasche und einfache Lösungen zu favorisieren, ohne die Zusammenhänge wertzuschätzen?

Eigentlich (und eigentlich ist ja immer ein doofes Wort) ist es ganz einfach: wir müssen vermehrt darauf achten, Dinge zu erklären, Zusammenhänge nicht auszulassen und eben dadurch populär zu werden. Dann hat der Populismus keine übergreifende Chance mehr. 

 

 

 

 

 

Was Aung San Suu Kyi, Barack Obama und Martin Schulz gemeinsam haben. Und was man dagegen tun sollte

Zur Zeit passiert etwas großartiges. Durch den Antritt von Martin Schulz als Kanzlerkandidat bei der kommenden Bundestagswahl erlebt die SPD einen kaum noch möglich gedachten Auftrieb. Die Mitgliederzahlen steigen und die SPD ist aktuell wieder die mitgliederstärkste Partei in Deutschland.

Gleichzeitig erhält die Demokratie einen Aufschwung und Politik wieder mehr Gewicht. Gewicht, nicht durch das Anschwellen populistischer Neuparteien oder durch Diskussionen über den Niedergang des Abendlandes, sondern durch das Erstarken der alten Parteien und Themen jenseits von Langeweile und Panikmache.

Das ist gut!

Der Hype

Den Hype den Martin Schulz sucht seinesgleichen. Gleichzeitig wird er zum legitimen Nachfolger Willy Brandts erklärt, zur Lichtgestalt und zum quasi schon gewählten Kanzler.

Bis zur Bundestagswahl sind es noch viele Monate. Monate die dazu führen werden, dass Martin Schulz vom Heilsbringer zum Menschen wird. Er wird Dinge in Gang setzen und Fehler machen, er wird Themen besetzen die Menschen anziehen und andere abstoßen. Er wird sehr viel richtig machen und manches falsch. So wie jeder Mensch.

Der Hype wird Schulz nützen und gleichzeitig schaden. Spätestens seit Barack Obama wissen wir, dass kein Mensch übermenschliche Erwartungen alleine erfüllen kann. Im Gegenteil, sie können schaden, sobald sie zur Ernüchterung führen. Ernüchterung die nicht ausbleiben wird.

Demokratie nicht alleine lassen

Ein Politiker, egal ob von Partei A, B oder C, ist auf seine viel beschworene Basis angewiesen. Eine Basis, die im Fall von Martin Schulz gerade extrem aufgescheucht reagiert. Das ist gut. Dennoch muss es gelingen diesen Aufbruch zu konsolidieren und aufrecht zu erhalten.

Alles kreist um eine Sonne

Wenn ich zur Zeit in die sozialen Medien schaue, dann sehe ich viele Bilder, Selfies und Sharepics von überregional unbekannten Politikerinnen und Politikern, die sich mit Schulz ablichten. Es gibt sogar eine Seite mit Schulz-Facts, die angelehnt an Chuck Norris – Witze den Kandidaten zum Helden stilisieren. Auch diese „Fakten“ werden fleißig verteilt. Immer mit dem Ziel, dem Wahlkampf des ehemaligen Präsidenten des Europaparlaments zu dienen.

Aber wozu führt es?

Das Zuspitzen auf den einen ist gefährlich. Jeder Lokalpolitiker versucht nun ein Stück des neuen Glanzes auf sich abfärben zu lassen. Wenn Schulz im Bund wählbar ist, dann macht das die SPD doch bestimmt auch auf nachgelagerter Ebene attraktiv! Was dabei auf der Strecke bleibt sind eigene Profile, eigene Ideen, eigene Inhalte und, kleinteilig in Social Media gedacht, eigener Content.

Natürlich wollen die Menschen einen starken Kandidaten im Bund. Sie wollen aber auch sehen, dass vor ihrer eigenen Haustür etwas geschieht und wissen, dass dafür nicht Merkel und Schulz, sondern Bürgermeister, Landrat, Landtag und Bundestagskandidat in der Pflicht stehen.

Was also tun?

Schulz steht für sich und ist beliebt und gefeiert, weil er als Person mit Inhalten besteht. Das dürfen, können und müssen nun auch diejenigen tun, die an der Basis – was und wo auch immer das sein mag – mit Menschen in Kontakt kommen, die Politik zur Zeit generell skeptisch gegenüberstehen.

In Social Media gesprochen: Mehr posten und tweeten, weniger teilen und retweeten.