Warum die nicht-Kommunikation der „Pulse of Europe“-Bewegung hilft

Die großen geschichtlichen Ereignisse wurden oft von unbekannten Gläubigen verwirklicht, die nichts als ihren Glauben besaßen. – Gustave Le Bon

Die Pulse of Europe-Bewegung erfasst zunehmend immer mehr Städte. Sonntags, um 14 Uhr, füllen sich Plätze und versammelt Menschen, die gemeinsam für Europa demonstrieren.

Das ist gut, denn Europa steht schlechter da als jemals zuvor. Die Euphorie ist vorbei, die das Konstrukt verschiedener Länder, Kulturen und Ideen über Jahrzehnte einen konnte. Die Generation, die den Ruf Nie wieder Krieg aus eigenen Kriegserfahrungen nähren konnte, verstummt langsam.

Zurück bleibt eine Generation, für die Europa selbstverständlich ist. Kriegslosigkeit, Grenzenlosigkeit, Einigkeit. Eine Generation, die mehr erwartet, aber nicht genau weiß was. Ich zähle dazu.

Die Verwaltung Europas hat sich darüber hinaus nie mit Ruhm bekleckert, wenn es darum ging die Union so zu bewerben, dass sie attraktiv erscheint. Bürokratismus und Bananen-Normungen sind spürbar, alles andere kaum.

Das ist schade. Und es ist gut, dass nun eine neue Graswurzelbewegung ihre Stimme für Europa erhebt – Pulse of Europe. Die Bewegung ist eine Idee: Menschen treffen sich, Sonntags um 14 Uhr und erheben ihre Stimme für Europa, gegen diejenigen die es kaputtreden wollen.

Dabei sind die einzelnen Veranstaltungen kaum vernetzt, quasi jeder darf reden, es gibt keinen größeren festen Ablauf.

Diese nicht-Vernetzung in einer vernetzten Welt ist positiv. Denn sie lässt zu, dass sich Menschen entsprechend ihres eigenen Umfelds mit einer einheitlichen Idee identifizieren können. Pulse of Europe ist in Brüssel etwas anderes als in Berlin, als in München, als in Witten.

Das ist gut, denn damit löst die Bewegung das Grundproblem Europas – die Zentralisierung. Bei Pulse of Europe kann jeder sein eigenes Europa feiern, seine eigene Idee und bringt sich so in ein Kollektiv ein, das geschlossen für eine Sache einsteht.

Paradoxerweise führt erst die digitale Vernetzung zum Erfolg und zur Ausbreitung der Bewegung. Ohne Facebook und Co. hätte Pulse of Europe nie ein kritische Masse erreichen können.

Was sollten Europapolitiker tun?

Die Bewegung ist ein Segen für immer mehr ratlos erscheinende Europa-Politiker, denn sie zeigt, dass die Europäer Europa wollen – als Inhalt. Die Form allerdings lehnen viele Menschen ab. Andersrum wäre es schlecht, so ist es ein lösbares Problem.

EU-Politiker sollten sich nun aufmachen und der Bewegung beitreten, sie anhören, ohne sie zu okkupieren. Denn was Europa nicht braucht sind ein Europa der Bürokraten und eines der Bürger.