Schnurz und Wurst  —  Warum der neue WhatsApp-Status nicht egal ist.

Seit gestern hat ist die neue WhatsApp-Funktion ausgerollt. Mit dem “Status” können kurze Foto- und Videosequenzen, hübsch bearbeitet und mit Texten und Emoticons versehen, gespeichert werden und sind dann für die Kontakte im WhatsApp-Telefonbuch für 24 Stunden sichtbar.

Eine genauere Beschreibung liefert Chip unter http://www.chip.de/news/WhatsApp-So-aktivieren-Sie-das-neue-Status-Feature_109352043.html

Nach den ersten 24 Stunden liegt die Funktion noch weitgehend brach, schon lese ich aber in vielen Threads bei Facebook, die neue Funktion sei “egal”, “wurst” und letztlich nur eine Anbiederung von Facebook (denen WhatsApp gehört) an die aufkeimende Konkurrenz von Snapchat und Instagram.

Falsch!

Gerade im vergangenen Jahr hat der ursprüngliche SMS-Konkurrent die private Kommunikation verlassen und entwickelt sich rasant zu einem Tool für die professionelle Kommunikation von Unternehmen, Institutionen und Einzelpersonen mit prominentem Status.

Meine persönlichen Erfahrungen mit dem Einsatz eines WhatsApp-Newsletters sind gut, nicht sehr gut. Zusätzlich nutze ich einige WhatsApp-Newsletter als Informationsquelle, z.B. den der “Rheinischen Post”.

Nicht vergessen darf man die relevante Kommunikation von Gruppen, Teams, Vereinen und anderen in WhatsApp-Gruppen. Wer behauptet, der Nachrichten-Dienst sei nur ein Werkzeug zum Versand von Textnachrichten, belügt sich selber.

Welche Chancen bietet nun der “Status”?

Ganz konkret sehe ich Statusmeldungen von Menschen die bei Facebook nicht aktiv sind, ich sehe Statusmeldungen die wesentlich privater sind als die durchgestylten Posts bei Instagram und Co. Das ist gut und unterstreicht die persönliche Note von WhatsApp. Eine persönliche Note die nicht vergessen lassen darf, dass Statusmeldungen natürlich nicht privat sind. Man gibt Informationen in ein soziales Netzwerk und weiß damit nie wo was landet!

Für die professionelle Kommunikation bietet die Statusfunktion eine Vielzahl von Möglichkeiten. 

Welche Möglichkeiten sind spontan zu sehen?

Viele Unternehmen werden versuchen ihre Bildkampagnen auch über diesen Kanal zu spielen. Langweilig. Gute Möglichkeiten sehe ich aber für die Informationsverbreitung von regionalen und lokalen Zeitungen und Rathäusern.

Zeitungen können Lust, entweder auf ihre Gesamtausgabe oder ein bestimmtes Thema, lenken. Sie können zeitnah Informationen versenden, die eine tatsächliche Relevanz haben. Auch, weil WhatsApp es zulässt die Empfänger von Status-Nachrichten zu kontrollieren. Nicht jeder muss alles erhalten. Tools dazu wird der Markt bald sicher bereitstellen.

Rathäuser und Verwaltungen können ihren Bürgerservice ausbauen, können Informationen streuen, die relevant sind. Der Flyer für ein Fest am Wochenende – als Status eingestellt und abrufbar. Die temporäre Straßensperrung – Bild und kurze Info als Status. Ein echter Mehrwert für die Menschen die es betrifft.

Also. Wurst? Nein, eine weitere Chance die Menschen dort zu erreichen wo sie sowieso schon sind.

Warum Trump die Enttrumpisierung fürchten muss

Einen großen Teil ihres temporären Erfolges haben die Nationalsozialisten im sogenannten Dritten Reich ihrer, im Sinne der Sache, gelungenen Kommunikation zu verdanken.

Sie bereiteten Deutschland auf ein „Tausendjähriges Reich“ vor und setzten alles daran, diese Idee im Volk zu verkaufen.

„Nach mir die Sintflut“, wird sich also manches gedacht haben. 1000 Jahre wird kein Mensch und deshalb machte es wenig Sinn über die Zeit nach Hitler zu sinnieren. Erst die Entnazifizierung durch die alliierten Siegermächte brachte dann für manchen das Böse erwachen. Man war einem Dämon hinterher gelaufen und hatte „Hurra“ bei etwas gebrüllt, das verabscheuungswürdig war.

Donald Trump wird maximal acht Jahre im Präsidentenamt bleiben – so will es die Verfassung der Vereinigten Staaten. Und diese Perspektive löst bereits jetzt, Wochen nach der Amtseinführung, aus, dass sich Menschen auf die „nach-Ära“ vorbereiten.

Angefangen mit dem Ausscheiden eines großen Teils des Stabes eines Ministerium, weiter über die klare Kampfansage einer Gruppe von Geheimdienstlern.

Die Menschen verstehen, dass sie in einer Zeit nach Trump Probleme bekommen werden, sollte man sie seinen Unterstützern oder Zuarbeitern zuordnen können.

Paradoxerweise sind es egoistische Momente, die der Gemeinschaft helfen. Jeder denkt an sich, will nicht persönlich in Mitleidenschaft geraten, wenn es heißt „Trump ist weg“ und schafft dadurch eine Massenbewegung.

Irgendwann wird Trump also darüber stolpern, dass nur die, die nicht können wollen und die die können nicht mehr wollen, bzw. dürfen.

Zitat

Alt versus neu

„Das Recht auf eine nützliche und bezahlte Arbeit, das Recht auf ausreichenden Verdienst, das Recht jedes Bauern, mit dem Anbau und Verkauf seiner Produkte das Auskommen seiner Familie zu sichern, das Recht jedes Geschäftsmanns auf Freiheit vor unfairer Konkurrenz und Beherrschung durch Monopole, das Recht jeder Familie auf eine anständige Wohnung, das Recht auf ausreichenden Schutz vor wirtschaftlichen Sorgen im Alter, bei Krankheit und Arbeitslosigkeit, das Recht auf eine gute Ausbildung. Welchen Platz Amerika in der Welt einnimmt, wird weitgehend davon abhängen, wieweit diese oder ähnliche Rechte für unsere Bürger in die Praxis umgesetzt worden sind. Ohne Sicherheit hier zu Hause kann es in der Welt keinen dauerhaften Frieden geben.“

Schulz 2017?

Nein, Roosevelt 1944. 
Die Ideen der sozialen Gerechtigkeit sind nicht neu. Es ist aber wichtiger denn je sie jetzt anzugehen und umzusetzen. Denn auch der Erfolg von Deutschland und Europa, der Frieden und das Zusammenleben aller Menschen hängt noch immer von vielen dieser Faktoren ab.  

Für mehr Erklären – Warum Populär Populismus begegnen kann

Laut vieler Thesen und Medienberichten befinden wir uns nun im postfaktischen Zeitalter und der Populismus gewinnt langsam die Oberhand.

Das mag in Teilen stimmen. Alleine aber das Hinnehmen dieser Tatsachen empfinde ich als ebenso postfaktisch und pre-populistisch. Zeichen sich Populisten nicht dadurch aus, dass sie eben keine weiteren Meinungen gelten lassen wollen als ihre? Genau!

Die größte Schwierigkeit beim Populismus ist ja, dass man ihn nicht sofort erkennt. Auch vor dem Ausrufen unserer heutigen Zeit gab es Populisten und populistische Äußerungen. Letztlich leben wir alle davon hier und da populistisch zu agieren. Und sei es nur im Kleinen. Populismus ist nicht grundlegend „böse“. Schlecht ist er nur, wenn er nicht erkennbar ist. Oder auf Menschen trifft die alles unhinterfragt lassen.

Warum hat der Populismus gerade jetzt eine Chance?

Um eine berühmte Tampon-Werbung frei zu zitieren: Die Geschichte des Populismus ist eine Geschichte voller Missverständnisse und absolut nichts neues.

Karl Marx fand 1844 mit dem Claim, Religion sei das Opium des Volkes eine treffende Kurzbeschreibung für die Art und Weise wie die Kirche die Menschen an sich bindet.

Bereits Aristoteles beschrieb den Populismus indirekt als er erklärte, dass Substanz etwas sein, dass nichts anderes um sich herum braucht um zu existieren.

Populismus ist also ein alter Hut. Warum also ist er wieder neu in Mode?

Weil alle, die etwas zu erklären hätten, dieser Aufgabe in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten nur bedingt gut nachgekommen sind.

Gerade die Politik hat oftmals versäumt die tatsächlich schwierigen und weitverzweigten Sachzusammenhänge transparent zu machen, zu zeigen warum eine Entscheidung so getroffen wurde wie man sie nun vorfindet. Es wurden Modelle und Reformen erfunden und erarbeitet die funktionieren – die aber niemand außerhalb des politischen Systems wirklich versteht.

Populismus wird auch als Anti-Intellektualismus beschrieben. Und darin liegt, meines Erachtens die Lösung. Keine Gesellschaft ist als Masse intellektuell. Tatsächlich wird „Masse“ immer eher vom gesunden Menschenverstand geleitet. Und dieser ist eher simpel als kompliziert.

Was ist also zu tun? Wie kann dem Populismus begegnet werden?

Durch Popularität.

Populär entstammt dem französischen Wort populaire  und bedeutet „zum Volk gehörig“. Also eine Forderung die immer wieder, gerade an die Politik gestellt wird aber auch in Unternehmen immer dann laut wird, wenn zu viel top-down herrscht.

Die Unterschied zwischen populär und populistisch ist dabei, dass populäres Handeln darauf zielt Entscheidungen verständlich zu machen, herzuleiten, zu erklären. Es besteht also ein grundlegender Unterschied zu einer populistischen Handlungsweise.

Erklären wiederum leitet sich vom Adjektiv klar ab und steht für deutlich oder auch ausrufen.

Wie begegnen wir also dem Populismus unserer Zeit, der die Gefahr birgt rasche und einfache Lösungen zu favorisieren, ohne die Zusammenhänge wertzuschätzen?

Eigentlich (und eigentlich ist ja immer ein doofes Wort) ist es ganz einfach: wir müssen vermehrt darauf achten, Dinge zu erklären, Zusammenhänge nicht auszulassen und eben dadurch populär zu werden. Dann hat der Populismus keine übergreifende Chance mehr. 

 

 

 

 

 

Was Aung San Suu Kyi, Barack Obama und Martin Schulz gemeinsam haben. Und was man dagegen tun sollte

Zur Zeit passiert etwas großartiges. Durch den Antritt von Martin Schulz als Kanzlerkandidat bei der kommenden Bundestagswahl erlebt die SPD einen kaum noch möglich gedachten Auftrieb. Die Mitgliederzahlen steigen und die SPD ist aktuell wieder die mitgliederstärkste Partei in Deutschland.

Gleichzeitig erhält die Demokratie einen Aufschwung und Politik wieder mehr Gewicht. Gewicht, nicht durch das Anschwellen populistischer Neuparteien oder durch Diskussionen über den Niedergang des Abendlandes, sondern durch das Erstarken der alten Parteien und Themen jenseits von Langeweile und Panikmache.

Das ist gut!

Der Hype

Den Hype den Martin Schulz sucht seinesgleichen. Gleichzeitig wird er zum legitimen Nachfolger Willy Brandts erklärt, zur Lichtgestalt und zum quasi schon gewählten Kanzler.

Bis zur Bundestagswahl sind es noch viele Monate. Monate die dazu führen werden, dass Martin Schulz vom Heilsbringer zum Menschen wird. Er wird Dinge in Gang setzen und Fehler machen, er wird Themen besetzen die Menschen anziehen und andere abstoßen. Er wird sehr viel richtig machen und manches falsch. So wie jeder Mensch.

Der Hype wird Schulz nützen und gleichzeitig schaden. Spätestens seit Barack Obama wissen wir, dass kein Mensch übermenschliche Erwartungen alleine erfüllen kann. Im Gegenteil, sie können schaden, sobald sie zur Ernüchterung führen. Ernüchterung die nicht ausbleiben wird.

Demokratie nicht alleine lassen

Ein Politiker, egal ob von Partei A, B oder C, ist auf seine viel beschworene Basis angewiesen. Eine Basis, die im Fall von Martin Schulz gerade extrem aufgescheucht reagiert. Das ist gut. Dennoch muss es gelingen diesen Aufbruch zu konsolidieren und aufrecht zu erhalten.

Alles kreist um eine Sonne

Wenn ich zur Zeit in die sozialen Medien schaue, dann sehe ich viele Bilder, Selfies und Sharepics von überregional unbekannten Politikerinnen und Politikern, die sich mit Schulz ablichten. Es gibt sogar eine Seite mit Schulz-Facts, die angelehnt an Chuck Norris – Witze den Kandidaten zum Helden stilisieren. Auch diese „Fakten“ werden fleißig verteilt. Immer mit dem Ziel, dem Wahlkampf des ehemaligen Präsidenten des Europaparlaments zu dienen.

Aber wozu führt es?

Das Zuspitzen auf den einen ist gefährlich. Jeder Lokalpolitiker versucht nun ein Stück des neuen Glanzes auf sich abfärben zu lassen. Wenn Schulz im Bund wählbar ist, dann macht das die SPD doch bestimmt auch auf nachgelagerter Ebene attraktiv! Was dabei auf der Strecke bleibt sind eigene Profile, eigene Ideen, eigene Inhalte und, kleinteilig in Social Media gedacht, eigener Content.

Natürlich wollen die Menschen einen starken Kandidaten im Bund. Sie wollen aber auch sehen, dass vor ihrer eigenen Haustür etwas geschieht und wissen, dass dafür nicht Merkel und Schulz, sondern Bürgermeister, Landrat, Landtag und Bundestagskandidat in der Pflicht stehen.

Was also tun?

Schulz steht für sich und ist beliebt und gefeiert, weil er als Person mit Inhalten besteht. Das dürfen, können und müssen nun auch diejenigen tun, die an der Basis – was und wo auch immer das sein mag – mit Menschen in Kontakt kommen, die Politik zur Zeit generell skeptisch gegenüberstehen.

In Social Media gesprochen: Mehr posten und tweeten, weniger teilen und retweeten.