alternativefakten.org

Seit Kurzem ist meine Seite auch unter www.alternativefakten.de erreichbar.

Der Begriff wurde vor einigen Tagen von der Trump Beraterin Kellyanne Conway erstmals genutzt, letztlich aber im gesamten Wahlkampf des neuen US-Präsidenten geprägt. Der gesamte Wahlkampf, und letztendlich der Wahlsieg des Mannes aus New York, war gekennzeichnet von seiner alternativen Sichtweise.

Hillary = crooked

Mexiko = böse

Muslime = böse

Steuererklärung offenlegen = egal

Alternative Fakten schlicht als „Lügen“ zu bezeichnen halte ich für falsch. Dinge können zwei Seiten haben. Wir alle beschäftigen uns quasi den ganzen Tag mit Fakten und alternativen Fakten, wir alle sagen ständig „aber“, um einem Argument unsere Sichtweise entgegenzusetzen. Wir versuchen ständig Dinge zu objektivieren, um dann festzustellen, dass es schwierig ist. Dass Dinge fast nie schwarz oder weiß sind, aber sehr auf grau, changierend zwischen vielen Möglichkeiten.

Das ist gut so, denn es birgt die Chance zum Diskurs, sich einem Thema von vielen Seiten zu nähern und letztendlich eine fundierte Meinung zu entwickeln. Eine eigene, subjektive Meinung.

Die Politik der sprachlichen Aushölung

Nein, es ist nicht gut wie Sprache und Fakten durch Trump und die versammelte Rechte pervertiert und der Bogen immer weiter gespannt wird. Wir sehen uns konfrontiert mit der Politik der sprachlichen kleinen Schritte. Aussagen werden getroffen, revidiert und stehen dann dennoch als gesagt im Raum.

Dieses Sprachmuster ist nicht neu und keine Überraschung. Jedes 08/15 – Buch über die Grundlagen der Kommunikation kennt das Beispiel des blauen Elefanten. „Denken Sie jetzt nicht an einen blauen Elefanten“ – und schon denkt der Leser an einen nicht-roten Elefanten. Und seit dem letzten Satz an einen roten. Unser Gehirn ist in sofern einfach gestrickt, als dass es alles genauso wahrnimmt, wie es gesagt wird. Worte erzeugen Muster und diese Muster werden uns eingespielt, sobald die auslösenden Wörter im Raum stehen. Ob man sie sprachlich negiert („Denken Sie jetzt nicht ein ein niedliches Baby…“) oder nicht, spielt dabei fast keine Rolle.

Crooked Hillary, Crooked Hillary, Crooked Hillary…

Die Grenzen des Sagbaren werden so immer weiter verschoben. Wenn es schon mal im Raum steht, dann kann es auch verwendet werden. So beginnen alternative Fakten sich ihren Weg zu bahnen.

Diese divergierenden Aussagen müssen nicht zwangsläufig Lügen sein. Oftmals sind sie aus Sicht einer kleinen  Gruppe, oder einer Einzelperson tatsächlich korrekt. Wer weiß, vielleicht erschien ihm der Platz vor ihm wirklich sehr gut gefüllt, als Donald Trump seine Antrittsrede hielt. Aussgeschlossen ist es nicht. Die validen Fakten sagen aber, das vier Jahre zuvor soundsoviele Menschen mehr anwesend waren.

Die Aufgabe einer Führungsperson ist es, seine Sicht der Dinge mit den objektivierbaren Fakten abzugleichen und sich erst daraus eine öffentlichkeitswirksame Meinung zu bilden. Das ist der Grund warum Unternehmen Belege sammeln und am Ende des Jahres nachrechnen wie groß der Unterschied zwischen Einnahmen und Ausgaben war. Keinem CEO dient es sich auf sein Gefühl zu verlassen.

Fakten schützen uns vor Fehleinschätzungen, aber sie generieren Arbeit und von Zeit zu Zeit Enttäuschungen. Alternative Fakten dagegen sind sexy, einfach und befriedigen uns. Sie bestätigen uns, lassen uns klug dastehen und die anderen dumm.

Die Rolle von Social Media bei der Verbreitung von abweichenden Fakten werde ich in einem anderen Artikel beleuchten. Eines ist aber Fakt: Wir müssen akzeptieren, dass es verschiedene Meinungen gibt uns aber vehement gegen alternative Fakten zur Wehr setzen!

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