Die Revolution frisst… gar nichts! Warum Kommunikation mehr Biss braucht.

Ich habe die große Freude und Ehre (ja, so empfinde ich das wirklich) an verschiedenen Hochschulen als Lehrbeauftragter tätig sein zu dürfen.

Was mir immer wieder auffällt: viele Studierende sind hoch motiviert, blitzgescheit und Willens viel zu lernen. Was aber fehlt ist der Biss und die Lust sich an Themen und Sachverhalten zu reiben. Eine wesentliche Rolle spielt dabei die Umstellung auf Bachelor- und Master Studiengänge im Zuge des Bologna-Prozesses. Post-schulische Bildung wird dadurch zum „Weiter so“. Schule und Hochschule unterscheiden sich kaum mehr voneinander. Das ist zum Teil positiv, denn die Studierenden werden mehr an die Hand genommen, besser begleitet.

Gleichzeitig werden sie mehr an die Hand genommen, besser begleitet. Es fehlt der Freiraum um eigene Denkansätze zu entwickeln, sich mit flankierenden Themen zu beschäftigen, sich nicht nur damit zu beschäftigen in der Regelstudienzeit durchs Studium zu kommen, um überhaupt eine Chance auf einem überakademisierten Arbeitsmarkt zu haben.

Die Digitalisierung baucht aber gerade Führungskräfte, die bereit sind Fragen zu stellen. Denn sie treffen auf künftige Arbeitgeber, die ihnen und ihrer Art zu leben und zu arbeiten wenig aufgeschlossenen gegenüber stehen. Künftige Führungskräfte werden es nicht leicht haben die neue Arbeitswelt zu gestalten und dazu brauchen sie Methoden die es nicht an der Uni gibt… nicht mehr.

Mein  Plädoyer lautet daher: Stellt Fragen, sei aufmüpfig, interessiert Euch für Politik und das was Unternehmen machen. Es hilft. Es hilft dabei die Welt der Zukunft zu gestalten. Möglichst lautlos durchkommen nicht.

Wir meinen was wir sagen/Wir sagen was wir meinen – Warum Ausgrenzung bei der Sprache stattfindet

Meine Familie und ich wohnen seit einem guten Jahr in Witten. Stadtteil Bommern.

Gestern habe ich aber gelernt, dass das nicht die einzige Unterteilung ist, die man vornehmen kann. Auf dem kleinen Weihnachtsmarkt eines Stadtteil-Sportvereins traf ich drei alte Schulkameraden wieder. Zwei von Ihnen habe ich seit gut 16 Jahren nicht mehr gesehen. Darauf entspannte sich folgender kurzer Dialog:

„Was machst Du denn hier?“

Ich: „Wohnen. Wir wohnen seit einem Jahr wieder in Witten.“

„Ach, wo denn?“

Auf diese Frage nannte ich meine Adresse. Die Antwort darauf:

„Ach da unten. Na, wenigstens auf der richtigen Seite.“

Unser Stadtteil hat gut 8.000 Einwohner. Witten knapp 100.000 Einwohner.

Abgrenzung beginnt mit Sprache. Wir meinen was wir sagen. Und daher beschäftigt mich der hier dargelegte kleine Dialog seitdem. Entstehen so die NIMBY-Bewegungen?

Viele von uns beschäftigen sich mit der Situation der zahllosen geflüchteten Menschen aus den Krisenherden dieser Welt, viele setzen sich damit politisch auseinander, viele helfen in Essens- oder Kleiderausgaben oder engagieren sich anderweitig.

Wenn aber Differenzierung schon in einem Stadtteil beginnt. Wenn es „oben in Bommern“ und „unten in Bommern“ gibt, läuft dann etwas falsch? Ja und nein! Jeder Mensch hat das Recht sich abzugrenzen, sich seine Freiheiten zu schaffen. Ein sicheres Zuhause ist wichtig und wahrscheinlich das, was die meisten geflüchteten Menschen vermissen.

Aber wir können uns trotzdem hinterfragen. Welche Aussage treffe ich gerade wirklich? Was diktiere ich meinem Gehirn gerade, welche Grenzen setze ich mir selber? Denn Abgrenzung und Ablehung beginnt im Kleinen.

Ich werde weiter gerne in Witten wohnen. Mehr Differenzierung brauche ich nicht.

 

 

 

Näher am Menschen und engagiert – was Parteien jetzt tun sollten

Onlinekommunikation ist nicht neu. Betrachtet man die Auftritte vieler Parteien und Politiker, so fragt man sich, warum sie sich nach wie vor gegen den Dialog im Internet sträuben. Der Artikel zeigt wie sie es angehen können und nennt die neun Schritte zur gekonnten Kommunikation von Parteien in Social Media.

Vorweg:

Bis vor 18 Monaten hätte ich mich als „unpolitisch“ beschrieben. Ja, ich war mit Mitte 20 mal Mitglied der CDU. Das hat sich aber rasch wieder erledigt. Danach kam lange nichts. Seit 2014 hat sich das geändert. Ich habe das Gefühl aktiv werden zu wollen. Ich bin jetzt SPD-Mitglied. Mit Freude.

Jeder spricht von „Basis“. Aber die Basis bricht weg, sie stirbt weg und es kommt wenig nach. Jeder, der schon mal die Treffen von Ortsvereinen der größeren Parteien besucht hat, weiß das. Aus meiner Sicht brauchen wir eine starke Basis. Entwicklung geht nicht von kleinen Netzwerken oder von Facebook-Gruppen aus. Aus meiner Sicht brauchen die großen Parteien wieder mehr Zufluss. Starke Volksparteien machen ein starkes Land. Daran glaube ich und bin entsetzt, wie fahrlässig diese Parteien ihre Verantwortung oft nicht wahrnehmen.

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Was der zweite Satz der Therodynamik mit Kommunikation zu tun hat…

In seinem Buch „Die Zukunft“ beschreibt der ehemalige US-Vizepräsident die Vorkommen der Entropie in der Natur und findet dafür ein eingängiges Beispiel. Er beschreibt einen Ring aus Qualm oder Rauch. Ein solcher Ring ist zu Beginn klar definiert, ist gut erkennbar und hat klare Abgrenzungen. Nach und nach werden diese Grenzen undifferenzierter, bis der Ring letztlich verschwindet. Er verschwindet allerdings nicht. Er verbindet sich mit seiner Umgebung.

Entropie in der Kommunikation 

Viele Jahre galt das Sender –> Empfänger Modell als das Kommunikationsmodell. Heute wissen wir, dass ein solches Modell Schwachsinn ist. Es vereinfacht Kommunikation in einem Maße die zu keinem Ergebnis führt. Wir wissen heute, auch fußend auf den Erkenntnissen der Neurolinguistik, dass unsere Welt konstruktivistisch ist. Jeder Mensch konstruiert sich seine „eigene“ Wahrheit, basierend auf Erziehung, Kultur, Erfahrungen, Beruf und vielen Dingen mehr.

Kommunikation ist Entropie. Warum? Sie kennzeichnet sich vor allem durch Irreversiblität, also Unumkehrbarkeit. Man bekommt die Zahnpasta nicht mehr in die Tube zurück.

So verhält es sich auch mit der Kommunikation. Was einmal draußen ist, ist draußen. Egal ob verbal, non-verbal oder para-verbal. Ob schriftlich oder als geteiltes Bild in den sozialen Medien. Sie beginnt Wirkung zu entfalten die nicht rückgängig zu machen ist.

Was bedeutet das für die Kommunikation von Führungskräften?

Heute unterscheiden wir grob drei Formen der Führung:

– autoritäre Führung

– basisdemokratische Führung

– kooperative Führung

Aus meiner Sicht kann es keinen richtigen Führungsstil in dem Sinne geben, dass stets einer der oben genannten Stile das beste Ergebnis produziert. Vielmehr zeigt das entropische Verhalten jeglicher Kommunikation, dass Führungskräfte ihren Köcher mit verschiedensten Pfeilen füllen- und in der Lage sein müssen ihr Verhalten der jeweiligen Situation anzupassen.

Dazu kommt ein weiterer Punkt: Führungskräfte müssen die Wirkungen ihrer Kommunikation beobachten und überprüfen. „Ich habe es doch im Meeting gesagt…“ oder „Ich habe es ihm/ihr doch geschrieben…“ reicht nicht. Eine echte Führungskräft überprüft stets die tatsächliche Wirkung ihrer gesendeten Nachrichten, denn sie weiß, dass sich Kommunikation nur sehr bedingt berechnen lässt.

Entropie in der Onlinekommunikation 

Die Onlinekommunikation ist eine besonders entropische Form der Kommunikation. Sie ist chaotisch.  Chaotisch im naturwisssenschaftlichen Sinne: nicht berechenbar.

Egal wie lange das Social Media- und Community Management plant, sie blasen zwar einen klar definierten kommunikativen Rauchring nach außen. Dieser beginnt sich dann rasch mit der Außenwelt zu vermischen – was ja erklärtes Ziel jeglichen Social Media Aktivität ist –  und wird dadurch wenig berechenbar.

(Mehr zur Entropie in der Onlinekommunikation demnächst)

Bildquelle

https://de.m.wikipedia.org/wiki/Rauchring#/media/Datei%3ASmoke_ring.jpg