Warum wir Digitalisti aufpassen müssen…

newton-img_0320_cleanup„Herr Palmert, seit ich hier arbeite muss ich ein Notebook benutzen. Das mache ich, weil ich es muss. Mit XING und Facebook habe ich nichts am Hut, will ich auch nicht…“

Ein kurzer Auszug aus dem Gespräch mit einer Dame in meinem Alter. In einer verantwortungsvollen Position bei einer großen Firma. Nun könnte man darüber lachen, die Gesprächspartnerin als nicht zeitgemäß brandmarken. Alles gut und schön. Allerdings berichte ich nicht von einem Einzelerlebnis. Vielmehr beobachte ich, dass zahlreiche Menschen zwischen 30 und 50 weit weg davon sind die neuen und neusten Medien in ihrem Alltag integriert zu haben. Arbeiten sie dann noch in Teams mit Gleichgesinnten ist die digitale non-Transformation perfekt.

Auf der anderen Seite stehen die Gladiatoren der modernen Kommunikation: Social Media Manager, Community Manager, Digital Affairs Profis, SEO-Götter und SEA-Legionäre. Wir treffen uns in echten und unechten Konferenzen, in Facebookgruppen und den gemeinsamen Filterblasen. Wir analysieren die Zukunft, bewerten Start-ups die rasch wieder verschwinden und liken gegenseitig Büroraumbilder.

Wir machen das, was wir, und viele andere, politischen Parteien vorwerfen. Wir drehen uns um uns selbst, erfinden immer mehr Konferenzen, Awards die es zu gewinnen gilt und berufliche Qualifikationen die es zu erreichen gilt. Darüber drohen wir unsere Kunden, Auftraggeber, diejenigen, die nicht den Luxus haben sich den ganzen Tag um „Digital“ und „Kommunikation“ kümmern zu können aus den Augen zu verlieren. Diejenigen die uns brauchen – und wir sie.

Es muss ein Umdenken stattfinden, fordern wir Digitalisti oft. Das stimmt, aber auf beiden Seiten. Nicht nur Unternehmen müssen sich öffnen und beginnen in neuen Strukturen zu denken. Auch wir müssen unser hohes Ross verlassen und dorthin gehen wo es weh tut. Zu denjenigen für die „digital“ noch für „schlecht“ und nicht für „Chance“ steht.

 

Bildquelle: https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/6/6c/Newton-IMG_0320_cleanup.JPG

Subjektiv: Warum IKEA vieles richtig macht. Und Warenhäuser wenig.

Ich brauche Boxen. Solche, in denen man Dinge unterbringen kann, um das tägliche Chaos besser zu orchestrieren.

Ich bin ein Freund vom lokalen Einkaufen und versuche so oft es geht mein Geld bei den Händlern meiner Region auszugeben. Deshalb führte mich mein Weg heute morgen zu Horten, das mittlerweile GALERIA Kaufhof heißt, bei mir aber immer noch als Horten gelistet ist. Schließlich haben wir uns früher um 15 Uhr vor Horten getroffen, nicht vor… genug der Vergangenheitsbewältigung.

Es ist 9.30 Uhr und der ganze Laden ist nahezu menschleer. Ich frage eine Dame nach den begehrten Boxen. Sie läuft kurz weg, wieder zu mir hin, schaut sich um, geht hinter die Kasse und sagt ich müsse auf den Kollegen warten. Ok. „Wo finde ich denn die Boxen…?“, frage ich freundlich. Und erhalte als Antwort: „vielleicht in der Schreibwarenabteilung.“ Ich beschließe der Sache selber nachzugehen, finde sie nicht, warte noch etwas und verlasse den Laden unter den Augen meiner vorherigen Gesprächspartnerin.

Schnitt. Fünf Stunden später. Eine Ikea-Filiale.

Sie ist brechend voll und die Menschen kaufen Weihnachtsdekoration als sei morgen der heilige Abend. Die Menschheit ist ziemlich doppelmaralisch, denke ich mir. Wir beschweren uns über Weihnachtsmänner im Supermarkt und kaufen ein schwedischen Möbelhaus leer, sobald es den weihnachtlichen Schnickschnack aus dem Lager rollt.

Ich finde keine Boxen, spreche eine Ikea-Mitarbeiterin an. Sie lässt alles stehen und liegen, fragt mich zu welchem Zwecke ich Boxen benötige und führt mich zu meinem Ziel.

Ich versteh manche Dinge nicht. Warum spielen die bestehenden Kauf- und Warenhäuser ihre Stärken nicht aus? Sie sind vor Ort, sie haben die Chance ihre Kunden jenseits von Big Date kennenzulernen, sie können beraten, Kontakt und Beziehungen aufbauen. Und was machen sie? Sie zeigen mir, stets aufs Neue warum ich gerne bei Amazon und Co. einkaufe. Amazon plant derweil Offline-Läden. Schade!

„Horten“ und Co. haben noch Chancen bevor Amazon seine Schilder an das Ladenlokal nebenan hängt. Aber nicht mehr lange.

 

Wie Sie die Filterbubble bei Facebook (ein bisschen) umgehen

In meinem letzten Artikel habe ich aufgezeigt, dass die Inhalte, mit denen wir uns bei der Nutzung von Social Media und Co. umgeben auf uns zugeschnitten sind. Welche Auswirkungen das hat zeigt der Artikel http://palmert.net/?p=39

Wie können Sie die Filterblase bei Facebook ausschalten?

Facebook zeigt Ihnen standardmäßig die „Top-Meldungen“ in Ihrem Newsfeed. Also die Meldungen, die laut Facebooks Berechnungen am interessantesten für Sie sind. Vielleicht haben Sie sich schon immer gewundert, warum Sie von manchen Ihrer „Freunde“ bei Facebook gar nichts sehen? Das ist der Grund.

Sie können sich aber ganz einfach alle Inhalte in chronologischer Reihenfolge anzeigen lassen.

Und zwar so

unbenannt

Verschieben Sie das Häkchen ganz einfach zu „Neuste Meldungen“ und lassen Sie sich überraschen wie sehr sich Ihr Newsfeed plötzlich ändert!

Warum dem Lokaljournalismus die Zukunft gehört…

… ja Sie haben richtig gelesen.

Seit fast einem Jahrzehnt wird der Lokaljournalismus nun totgesagt. Man braucht ihn einfach nicht mehr. Schließlich gibt es ja das Internet, Social Media und Blogs.

Ich habe mich dieser Meinung lange angeschlossen, die tägliche Tageszeitung gehörte mental viel mehr auf den Küchentisch meiner Eltern, als in meine moderne und schillernde Welt der neuen und neusten Medien.

Diese neue Welt war lange geprägt von der großen weiten Welt. Durch das Internet gelangt jeder zu Orten die er physisch vielleicht nie erreichen wird, tauscht sich mit Menschen aus, die er persönlich nur kennenlernen wird. Haben wir lange gedacht…

Jedem Anfang wohnt das Altbekannte inne

Heute schaue ich mich um und stelle fest, dass die Gruppen und Foren, in denen online am meisten diskutiert wird, Gemeinschaften sind, die sich um lokale oder zugespitzte Themen drehen. Mit allen populistischen Rattenschwänzen die „Nähe“ mit sich bringt.

Große Themen, interessieren am Rand. Die Erhöhung der Grundsteuer B in der eigenen Stadt, füllt ganze Seiten. Es sind die lokalen und unmittelbaren Themen die uns berühren, ansprechen und unseren Alltag direkt beeinflussen. Darüber wollen wir informiert sein und mitreden.

Mich erstaunt es noch immer, wie rege die Diskussionen in den geschlossenen Facebook-Gruppen meiner zwei Heimatstädte (ich wohne im Ruhrgebiet und arbeite im Rhein-Main-Gebiet) ausfallen, wenn es um – auf den ersten Blick – banalste Dinge geht.

Die Vernetzung der Welt scheint dazu zu führen, dass die Menschen sich wieder dem zuwenden was sie verstehen, worin sie sich auskennen. Oft unreflektiert und dumm, manchmal klug und weitsichtig. Fast immer interessiert.

Lokale Marken schießen aus dem Kraut

Immerhin bin ich mittlerweile 35 und in meiner Jugend wäre es undenkbar und extrem uncool gewesen, sich mit Devotionalien der eigenen Heimatstadt oder der Region zu schmücken, aus der man stammt. Heute tummeln sich an allen Ecken Märkte mit regionalen Produkten. Es entstehen regionale Marken mit Erfolgen die vor ein paar Jahren noch nicht denkbar gewesen wären. Sie hätten als extrem altbacken gegolten. Ich denke konkret an zwei, Euch fallen sicher noch viele mehr ein – Born in the Wetterau und 5845X.

Und was hat das mit Lokaljournalismus zu tun?

Der Lokaljournalismus wird nicht getötet, er begeht Suizid. Jedes Lokalblatt wartet heute nach wie vor mit den großen Themen der Welt auf, meistens in Form von Standardmeldungen der großen Presseagenturen. Langweilig. Denn meistens sind diese Themen schon bekannt oder andere Zeitungen arbeiten sie besser auf. Die großen Themen werden von den Großen abgefrühstückt, FAZ, Süddeutsche, usw.

Den interessanten Teil Ihrer Arbeit verstecken die Lokalen im Innenteil. So als müsse man sich dafür schämen. Doch gerade hier liegen die Chancen, denn hier sind die Themen die den lokalen Leser interessieren, fesseln und über die er keine anderen Informationsquellen hat.

Gute Nachricht Nummer 2: Wir alle sind lokale Leser… irgendwo.

Gehört dem Lokaljournalismus also die Zukunft? Nein, wenn er so weitermacht wie bisher. Lokale Zeitungen müssen verstehen wo ihre Stärken liegen und nicht versuchen ein Modell der Vergangenheit weiter künstlich am Leben zu halten. Das neue regionale Interesse, gerade junger Menschen ist eine Chance die nicht mehr wiederkommen wird. Wer das jetzt erkennt stellt sich gut auf uns ist für die weitere Zukunft sicher.

Und ich? Lese, neben einer großen Tageszeitung,  mit Freude die WAZ, die Wetterauer Zeitung und den Wiesbadener Kurier. Jeden Morgen, aus beruflichen und privaten Interesse.

Warum es Wutbürger, Idioten, Trolle und Trottel schon immer gab

Wer sich mit Social Media und der Onlinekommunikation nur am Rande beschäftigt kann den Eindruck bekommen, dass die Welt schlechter geworden ist.

Schaut man auf die Profile von Tageszeitungen, Lokalzeitungen, Wochenzeitungen, Politikern, Prominenten und großen Unternehmen bekommt man rasch den Eindruck, dass die Welt – zumindest online – nur aus Pöbeleien und Beschimpfungen besteht. Auch die Kommentarzeilen von Spiegel, Welt und Co. sind voll von Verschwörungen, auf der einen-, und Selbstbeweihräucherungen auf der anderen Seite.

Das kann dazu verleiten zu behaupten es gebe keine gute Kinderstube mehr oder der Untergang des Abendlandes stehe kurz bevor.

Wir alle sind heute Pioniere

Wir alle haben im Bereich der Onlinekommunikation keine Erfahrungen. Es gibt sie erst seit etwa 10 Jahren, wenn man den Start der großen Social Media Plattformen als „Stunde Null“ definiert. Ich finde es großartig zu einer Generation gehören zu dürfen, die eine völlig neue Form der Kommunikation und Vernetzung mit erfindet und mitgestaltet. Mit allen Vor- und Nachteilen!

Plötzlich erhalten alle Menschen die Chance ihre Meinung frei und offen zu äußern. Und sie tun es.

Alles neu?

Nein, Menschen haben ihre Meinung schon immer kundgetan und vertreten. Menschen haben sich schon immer in Milieus bewegt, das heißt sich mit „Gleichen“ umgeben. Diese Entwicklung beobachten wir nun auch online – hier aber transparenter, schneller und offensiver. Milieus entstehen heute nicht mehr nur durch das Zusammenleben in der selben Stadt oder Region, dem Besuch der gleichen Kneipe oder dem Nachgehen des gleichen Berufs. Sie entstehen auch durch die „Filterbubbles“, also der „Online-Filterblase“ die uns umgibt und die Social Media Plattformen, Webseiten und Suchmaschinen die Möglichkeit gibt, uns nur mit dem Content (Inhalten) zu versorgen von denen Algorithmen wissen, dass wir sie sehen wollen.

Somit führt das Internet dazu, dass wir zwar auf zahllose Informationen zugreifen können, uns aber im Durchschnitt nur mit den Informationen umgeben die uns Algorithmen aufgrund unseres User-Verhaltens zuschustern.

Wozu wird das führen?

Wir sehen, dass das Neue das Alte zwar ergänzt, viele Dynamiken aber gleich bleiben. Lediglich: sie werden sichtbarer!

Gemeinsam lernen wir nun damit umzugehen und die Phänomene der Onlinekommunikation in unseren Alltag zu integrieren. In den kommenden Jahren wird diese Lernphase weiter anhalten, flankiert von Diskussionen und Diskursen, Versuch und Misserfolg. Kommende Generationen werden keine andere Wirklichkeit mehr kennen lernen und schon früh lernen mit dem umzugehen was heute noch neu für uns ist.

Was heißt das für Unternehmen?

Gerade von Unternehmen wird eine große Professionalität im Umgang mit der Onlinekommunikation erwartet. Das führt zu einer Professionalisierung der Berufsbilder hin zum Social Media Manager, Community Manager, Online Marketing Manager,…

Die Aufsplittung ist einerseits gut, andererseits darf sie nicht dazu führen das Gesamtbild aus den Augen zu verlieren.

Social Media ist Kommunikation. Nicht mehr, nicht weniger. Die war immer schon eine Herausforderung für Profis, also Menschen die sich ausschließlich mit diesem Thema beschäftigen. Nun kommen neue Vorzeichen dazu mit denen Firmen lernen müssen umzugehen.

Den guten Steuermann lernt man erst im Sturm kennen. – Lucius Annaeus Seneca

Warum ich (nun) blogge

HochobenSeit 2004/2005 beschäftige ich mich ausführlich und ausgiebig mit Social Media, Onlinekommunikation und Unternehmenskommunikation. In dieser Zeit habe ich viele Blogs gelesen, daraus gelernt und mich gelegentlich furchtbar über die Inhalte aufgeregt.

Blogger sind eben wie Journalisten, nur Menschen. Es gibt sehr gute und sehr schlechte.

Ich habe zahlreiche Blogs für Kunden begleitet, selbst aber nie den Anreiz gefunden auch zu bloggen. Das ändert sich nun und ich habe Lust mein Wissen über die bereits genannten Themen zu teilen, Fragen zu stellen und weiter zu lernen.

In Zukunft findet Ihr hier Ideen, Gehirnstürme, Anregungen, Langweiliges und Interessantes. Inklusive spontanen Ergüssen, lang Überlegtem und Fehlern in Rechtschreibung und Interpunktion.